Wer bist du und was machst du?
Ich bin Nikki aka DJ Ass Tits und in letzter Zeit werde ich des Öfteren Arschtitten genannt. Ich lege auf und veranstalte: Mit meinem Kollektiv Hyperlove hosten wir seit 2024 regelmäßig Late Nights im Jaki & mit dem Musikfestival Kölnchella, welches ich mitbegründet hab, sind wir grad auch in den Planungen für ein größeres Sommerevent.
Ich lege relativ genreübergreifend auf, aktuell bewege ich mich viel zwischen Electro, Breakbeat, Acid House und Dub Techno. Daneben lieb ich aber auch Ambient und freu mich darauf, ab April mit Carlotta aka Paaradoxx ne Show auf Dublab zu hosten, bei der es genau darum geht.
Wie heißt der Track, den du vorstellen möchtest und von wem ist er?
You Need The Drugs – WestBam feat. Richard Butler
Wer ist WestBam – und was macht den Song besonders?
WestBam, bürgerlich Maximilian Lenz, wurde 1965 in Münster geboren und startete 1983 seine DJ-Karriere. Sein Name steht für „Westphalia BamBaataa“ und verweist auf seine Herkunft sowie sein Vorbild Afrika Bambaataa. Als früher Protagonist der Berliner Techno-Szene, Mitgründer von Low Spirit Recordings und Produzent prägender Rave-Hymnen wurde er zu einer Schlüsselfigur der deutschen Techno-Bewegung.
Richard Butler ist der Sänger der britischen Post-Punk-Band The Psychedelic Furs.
Seine markante Stimme verleiht „You Need The Drugs“ eine düstere Intensität.
Der Track erschien 2000 und ist eine bissige, ironische Auseinandersetzung mit Konsumkultur. Musikalisch verbindet er eine treibende Bassline mit melancholischem Gesang. Genau diese Mischung aus Druck und Emotionalität macht ihn bis heute so wirksam. Er funktioniert nicht nur als Clubtrack, sondern auch als atmosphärisches
Statement.
https://www.discogs.com/de/artist/6092-WestBam
https://www.discogs.com/de/master/533263-Westbam-Featuring-Richard-Butler-You-
Need-The-Drugs
Wann und wie hast du ihn entdeckt?
Es war ein lauwarmer Frühlingsabend vor etwa vier Jahren & ich war mit meiner guten Freundin Fiona und weiteren Friends in Leipzig auf einem Konzert. Dazu muss man vorab sagen, das ist für die Anekdote wichtig, dass Fiona und ich quasi denselben Musikgeschmack teilen.
Jedenfalls waren wir nach dem Konzert verzweifelt auf der Suche nach irgendeiner Bar wo man noch verweilen kann, jedoch waren wir irgendwie am Arsch von Leipzig und es war unter der Woche, sodass wir schließlich vor so ner ganz atzigen Spelunke gelandet sind, die als einziges noch offen hatte. Zur Visualisierung: drinnen standen Spielos, es leuchtete grelles, weißes Licht und es standen so ältere Männer vor den Fernsehern rum und haben Fuppes geschaut. Eigentlich ein geiler vibe aber ich erinner mich noch dran, dass die Musik etwas nervig war – ich glaub da lief Schlager oder sowas, irgendwas was uns direkt auffiel.
Wir saßen draußen aufn Bierchen und irgendwann, als Fiona kurz reingegangen ist fingen die ersten Beats vom Westbam Track zu laufen an und das war wirklich wie so ne Zäsur. Ich hab direkt mein Shazam angeschmissen und auf den Tisch vor mir gelegt. Kurz darauf kam Fiona zurück und als sie mein Handy vor mir sah drehte sie ihres zu mir – sie hatte den Track ebenfalls shazamed.
In welchen Situationen hörst du den Track am liebsten?
Ich verbinde sehr viel mit dem. Beim Autofahren am Abend, wenn man durch die beleuchtete Stadt fährt und sich so einen sentimentalen Song reinballert. Dafür ist er perfekt.
Legst du den Track auch auf?
Tatsächlich habe ich ihn einmal gespielt. Und das war besonders.
Das war letztes Jahr Rosenmontag im Gewölbe in Köln, wo ich nach Malugi Closing gespielt hab. Eigentlich waren vier Stunden geplant, letztendlich wurdens sechs. Ich war komplett krank, das war ja der Karnevals-Endspurt und irgendwann konnte ich kaum noch stehen.
Trotzdem war die Stimmung hammer und die sechs Stunden sind bis auf die körperlichen Problemchen verflogen. Am Ende, als das Licht anging und ich bei der ganzen Erschöpfung schon einfach happy war, dass ichs überstanden habe, kamen die sehr nachdrücklichen Rufe nach einer Zugabe – also hab ich diesen Track rausgekramt. Der Track in Kombi mit der Stimmung im Raum hat echt was in mir ausgelöst, da war mir fast zum Heulen zumute, im positivsten Sinne.
Nach dem Closer bin ich unverzüglich reingehauen, weils mir körperlich eben so kacke ging. Rückblickend dachte ich mir ein paar Mal dass ich den Moment mehr hätte genießen müssen aber das ist eigentlich auch bisschen egal, die Nacht bleibt mir nämlich in sehr guter Erinnerung.
Was macht den Track für dich besonders oder bedeutungsvoll?
Zum einen die Geschichte, wie ich ihn entdeckt habe, die ich sehr mit meiner Freundschaft zu Fiona verbinde.
Zum anderen hat der Track eine besondere Ambivalenz. Er ist schwer und drückend, fast melancholisch, aber es gibt immer wieder lichte Momente. Wie ein Himmel, der sich kurz verdunkelt und dann wieder aufreißt.
Was inspiriert dich als DJ?
Begegnungen mit Freunden und alltägliche Situationen, die plötzlich Bedeutung bekommen. Musik ist für mich etwas Zwischenmenschliches. Wenn ich einen Track entdecke oder in einer bestimmten Phase meines Lebens höre, dann bleibt dieser Moment. Und jedes Mal, wenn ich den Song wieder höre, kommt dieses Gefühl zurück.
Das inspiriert mich am meisten. Diese Verbindung zwischen Musik und Erinnerung.
Hat der Track dich verändert?
Vielleicht nicht direkt verändert, aber er ist geblieben. Vor vier oder fünf Jahren hätte ich ihn wahrscheinlich nicht gespielt, weil meine Sets schneller und lauter waren. Mein Musikgeschmack ist im Kern ähnlich geblieben, aber das, was ich auflege, hat sich stark gewandelt.
Dieser Track begleitet mich seit Jahren. Er ist so etwas wie ein Anker. Und auch wenn es noch viele andere Songs gibt, die mir genauso viel bedeuten, ist „You Need The Drugs“ einer dieser Tracks, die einfach bleiben.
Mehr über DJ Ass Tits:
Mehr über WestBam:










